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SJB auf Gedenkstättenfahrt in Polen

Besuch der KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau und Essens Partnerstadt Zabrze

Zum zehnjährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Essen und der polnischen Stadt Zabrze reiste das Schönebecker Jugendblasorchester Essen vom 4. bis 8. Februar nach Polen. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Thomas Kufen wurde das Orchester im Rathaus Zabrze vom Stadtpräsidenten Kamil Żbikowski herzlich empfangen. Żbikowski betonte die Gemeinsamkeiten beider Städte, die besonders durch die Bergbaugeschichte miteinander verbunden sind. Eine Gruppe polnischer Jugendlicher zeigte dem SJB ihre Stadt und begleitete die Essenerinnen und Essener zur Musikschule. Dort fand am Abend ein Konzert des Schönebecker Jugend-Blasorchesters und des gemischten Chors der Musikschule statt. Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen besuchte das Konzert und begleitete das SJB am Morgen danach zur KZ-Gedenkstätte Auschwitz und Birkenau.

Die Führung durch Blöcke und Baracken machte das Grauen sichtbar und fühlbar. Enge Räume, kalte Wände, Dunkelheit und stickige Luft ließen die Jugendlichen nur erahnen, wie es sich anfühlen musste, hier gefangen zu sein. Zu sehen bekamen sie Berge von Brillen, Schuhen, Koffern und Alltagsgegenständen, die man den Menschen abgenommen hatte, unvorstellbare Mengen menschlicher Haare, Kleidungsstücke von kleinen Kindern. Bilder, Skulpturen und Erzählungen lösten Entsetzen aus. Bei der Besichtigung des benachbarten und viel größeren Vernichtungslagers Birkenau wurde sichtbar, wie in industriellem Maßstab gemordet wurde, wie unwürdig die Menschen leben mussten, die nicht sofort von den Nazis getötet wurden. Thomas Kufen und Vertreter des SJB legten im stillen Gedenken an die Opfer des Holocaust gemeinsam einen Kranz nieder.

Im weiteren Verlauf der Reise besuchte das SJB die Städte Katowice und Krakow. Auf dem Weg durch das jüdische Viertel von Krakow sah das Orchester einige Orte, die die Jugendlichen erst vor kurzer Zeit im Film „Schindlers Liste“ gesehen hatten. Der Film und verschiedene Vorträge hatte der SJB-Förderkreis zur Vorbereitung dieser Reise organisiert. Nun standen die Jugendlichen in der kleinen Straße mit alten Koffern, einer Treppennische und unveränderten Balkongeländern. Sie sahen auch die Brücke über die Weichsel, die der Strom der jüdischen Männer, Frauen und Kinder damals überqueren musste. Das kalte und trübe Winterwetter passte zu den Empfindungen an diesen Orten, denn allen war bewusst, dass das keine bloßen Filmkulissen waren, sondern die Orte, an denen die im Spielfilm gezeigten Verbrechen wirklich stattgefunden hatten.

Die Reise nach Polen wird bei den Jugendlichen nachhaltig in Erinnerung bleiben. Der Förderkreis für das Schönebecker Jugend-Blasorchester setzt damit nicht nur ein Zeichen für internationale Freundschaft, sondern bezieht auch klar Stellung für die Aufarbeitung der Geschichte. Der Vorsitzende des SJB-Förderkreises, Sebastian Scharenberg, fasste es so zusammen: „Das SJB ist in Auschwitz dem größten Verbrechen der Menschheit sehr nah gekommen. Wir müssen die Geschichte kennen, um zu verhindern, dass sie sich wiederholt.“ Er bekräftigte die Verantwortung des Förderkreises für die Gemeinschaft der jungen Menschen im SJB: „Die Jugend soll unbeschwert sein, fröhlich und voller schöner Erlebnisse. Nicht aber ohne das Wissen um die Gefahr. Nicht ohne Verantwortung.“

Die Gedenkstättenfahrt wurde ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und Fördermittel des Kulturamts der Stadt Essen. Gesponsert wurde die Fahrt auch von der Bäckerei Siebers (BorBäcker), die für alle Mitreisenden Tüten mit frischen Brötchen und Muffins vorbereitet hat.

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